Einige Monate Nomadenlebens
Stephie Ziplys ist Deutsche und wohnt mit ihrem Mann und ihren Zwillingen in Frankreich. Seit einem Monat fährt sie mit ihrem Rad und ihrer Familie durch Europa, in Richtung Istanbul. Wie entscheidet man sich für ein solches Abenteuer?
Für den größten Teil der Menschen auf unserer Erde ist das tägliche Leben ein Abenteuer; ausreichend Essen, Wasser, ein Dach über dem Kopf und eine Ausbildung sind alltägliche Sorgen. Aber für uns, die wir in den westlichen Ländern geboren sind, was hat uns die Gesellschaft außer dem Sensationellen an Abenteuern zu bieten? Wie können wir die Freude an den einfachen Dingen des Lebens wiederentdecken und nicht in die Fänge des Konsums geraten? Was heißt es, ein verantwortungsvoller Bürger zu sein? Zuhause zu bleiben und seine Nachbarn auf keinen Fall zu stören? Oder genau das Gegenteil: Auf die anderen zuzugehen und seine Erfahrungen teilen?
Simon und ich haben im März 2010 beschlossen, unser Pariser Leben aufzugeben und gegen einige Monate Nomadenleben einzutauschen. Mit den Fahrrädern, die wir schon als tägliches Fortbewegungsmittel benutzten, wollten wir uns mit unseren dreijährigen Zwillingen auf den Weg nach Istanbul machen.
Eine unserer Motivationen: Von dort aufbrechen, wo wir leben, und uns dann langsam dem Unbekannten nähern. Diese Möglichkeit bietet uns die einfach zu befahrene europäische Radwanderroute, die Atlantik und Schwarzes Meer miteinander verbindet und dabei sowohl Frankreich als auch Deutschland durchquert. Dies ist für mich die Möglichkeit, im November Freunde in Istanbul wiederzusehen und zudem auf den Spuren meiner Vorfahren zu wandern.
Simon beantragt eine einjährige Freistellung von seiner Arbeitstelle, ich gebe meinen Job in einem Bioladen auf und Yanis und Noam beenden ihre Krippenzeit. Ende Juli sind für bereit für den großen Aufbruch.
Mit Hilfe eines Nachbarn, der sich gut auskennt, statten wir unsere Fahrräder für die Reise aus und legen uns dann die nötige Campingausrüstung zu, was uns ungefähr 2500€ kostet. Übrig bleiben rund 5000€ Ersparnisse, um unsere Reise zu finanzieren. Damit wissen wir: Wir müssen uns mit dem Minimum begnügen, keine Restaurantbesuche und nur sehr selten bezahlte Unterkünfte. Der Kostenfaktor Nr.1 soll das Essen bleiben. Aber hier wollen wir keine Abstriche machen. Gut essen ist wichtig, wenn man täglich mit dem Rad unterwegs ist.
Wir erklären den Kindern, dass wir unsere Wohnung aufgeben und unser Zelt nun eine ganze Weile unser Haus sein wird. Nachdem wir unser Hab und Gut bei Simons Eltern in der Charente-Maritime untergebracht haben, brechen wir am Freitag den 13. August auf.
Zwei Monate später bereuen wir nichts: Das Abenteuer entspricht unseren Erwartungen. Wir machen Begegnungen, der Kontakt mir der Natur ist wundervoll, Yanis ist seinen Hautausschlag los, wir sind in topform.
Stephie Ziplis
Mehr über Stephie, Simon und ihrem Abenteuer? Das finden Sie (auf Deutsch und Französisch) auf velo4vitesses.

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